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Essen auf Rädern

Ein Erlebnisbericht von Steve Kups

Nach einem relativ ereignislosen Tag auf der Messe bot sich mir am Freitagabend noch ein recht kurzweiliges Ereignis in Form eines Besuches einer Party mit Wein, Weib und Gesang. Oder vielmehr Bier, durstigen Verlagsmenschen und Go-Kart-Rennen.

Nachdem ich es mal wieder geschafft hatte, mit den Kollegen Peter Osteried und Christian Langhagen fast den ganzen Tag zu verbummeln, hätten wir auch beinahe keine der begehrten Eintrittskarten zu diesem Happening erhalten. Ein Umstand, der durch die zauberhafte Vampirella-Darstellerin von Chaos! Comics glücklicherweise noch behoben werden konnte. Durch Einsatz ihres liebreizenden Charmes gelang es ihr noch im letzen Moment den Eintritt für unser skurriles Dreiergespann sicherzustellen.

Kollege Langhagen verabschiedete sich noch einmal kurz in Richtung seines Hotels, um seinen verschwitzten Körper vom Messeschweiß zu reinigen. Peter Osteried und ich beschlossen, schon einmal im Vorfeld das Partygelände zu inspizieren und kaperten ein Taxi.

Wie üblich gelang es uns dabei, den geschwätzigsten Taxifahrer Essens als Lenker des Wagens zu erhalten. Auf der etwa 15-minütigen Fahrt unterhielt uns dieser mit allerlei Anekdoten aus seinem Leben und wurde dabei auch nicht müde, uns von diversen Autohändlern in der Gegend zu erzählen, die von Übelmenschen russischer Herkunft mit Schusswaffen niedergestreckt wurden. Da weder Peter noch ich in diesem Gewerbe arbeiten, veranlasste uns dies jedoch zu keiner besonderen Besorgnis.

Mit blutenden Ohren erreichten wir schließlich den Ort der Veranstaltung, der zu dieser frühen Stunde noch relativ menschenleer wirkte. Was uns nicht davon abhielt, die alkoholische Bestückung der Bar schon einmal einer näheren Untersuchung zu unterziehen.

Nach etwa einer Stunde begann sich der Raum dann allmählich mit den Vertretern diverser Verlage zu füllen, die sich sofort in Richtung des kalten Buffets drängten. Vom Hunger getrieben folgten wir den Massen und nahmen in einem vom normalen Betrieb etwas abgetrennten Bereich Platz, wo wir uns an den reichlich dargebotenen Köstlichkeiten delektierten.

Mit großer Freude erblickte ich dort auch den verehrten Kollegen Oliver Naatz, der mich umgehend freudig begrüßte, was in Herrn Osteried den Gedanken aufwarf, was ich da für merkwürdige Frauen kenne. Auch Ralf Heinrich und Frank Tuppi von mg/publishing hatten sich inzwischen zu uns gesellt, die Teller reich beladen. Was Herrn Heinrich trotz allem nicht in seiner Gier bremsen konnte, der wundervollen Vampirella eine Erdbeere von ihrem Gedeck zu entwenden.

Nur wenige Stunden und Anrufe später stieß dann auch wieder ein ausgeruhter Christian Langhagen zu unserer heiteren Runde, der inzwischen im Hotel ein Vollbad genommen hatte und anschließend noch einmal vor Erschöpfung eingeschlafen war.

Kaum waren die hungrigen Münder alle gestopft, ging es auch schon zum Hauptteil des Programmes über, dem Steuern motorisierter Go-Karts, gelenkt von gutgelaunten Menschen in teilweise bedenklich alkoholisiertem Zustand. Nach den ersten Proberunden auf der Bahn leistete ich einem desolaten Naatz mit heiterem Gespräch Gesellschaft, während dieser eine knappe Viertelstunde hyperventilierte und gleichzeitig begeistert davon schwärmte, wie viel Spaß ihm das Fahren machte.

Herr Naatz gehört zu den Menschen, die schon im normalen Zustand den Eindruck erwecken, als würden sie jeden Moment durch die Einwirkung einer beliebigen tropischen Krankheit zusammenbrechen. Ein hyperventilierender, noch bleicherer, zitternder und gleichzeitig freudig erregter Naatz ist ein Anblick, der sogar in den härtesten Menschen unter uns augenblicklich Mutterinstinkte hervorruft. Gottlob normalisierte sich sein Zustand aber nach einer Weile wieder und man konnte ihn wieder unbesorgt auf die Bahn entlassen, wo er dann auch ordentlich und gekonnt sein Fahrwerk verrichtete.

Trotz meines mittlerweile verheerenden Zustandes gelang es mir noch, halbwegs aufrecht stehend das Geschehen auf der Bahn zu verfolgen. Den ersten Platz des Rennens erreichte ein Vertreter eines Verlages mit drei Buchstaben, dessen Name mir leider gerade entfallen ist. Platz zwei erkämpfte sich Oliver von mg/publishing, Platz drei entging meinem wachsamen Auge. An vierter Stelle brauste ein souveräner Naatz über die Ziellinie, was mich dann von den weiteren Platzierungen ablenkte. Immerhin als Nummer acht ging dann noch Ralf Heinrich ein, den Rest bekomme ich beim besten Willen nicht mehr zusammen.

Ansonsten verlief der Rest des Abends noch in gewohnter feuchtfröhlicher Stimmung und endete schließlich so gegen zwei Uhr. Beinahe hätte ich es dann auch nicht mehr in mein Hotel zurück geschafft, da mein Taxifahrer unerklärlicherweise kein Whiskey sprach und ich mein Fahrziel nicht mehr verständlich übermitteln konnte. Zum Glück erinnerte ich mich dann aber daran, dass ich schon am Nachmittag den Namen meines Hotels auf einem Zettel notiert hatte und für den Fall der Fälle in den Weiten meines Mantels untergebracht hatte.

Gegen 14:00 Uhr erreichte ich dann heute auch wieder das Messegelände und verzog mich mit den Herren Langhagen und Osteried in die Presselounge, wo wir erfrischendes Kaltgetränk in unsere rauhen Kehlen gossen. Mein Kater und meine Kopfschmerzen hielten sich weitgehendst in Grenzen, jedenfalls solange, bis ich anfing, diese Bericht hier einzutippen, während im Hintergrund Bela B. irgendwelche Vorträge in nahezu schmerzhafter Lautstärke in sein Mikrofon sprach.

Da er trotz gequälter Ausrufe meinerseits nicht damit aufhörte, schließe ich hiermit auch erst mal wieder meinen Tagebucheintrag und besorge mir ein paar Konterbiere, um die schlimmsten Leiden in meinem geschundenen Körper zu lindern.