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08.01.2000 (19:41 Uhr) – Burgermeister

Haben Sie schon einmal bei einer dieser modernen „Drive-In“-Einrichtungen versucht, ein paar läppische Hamburger zu kaufen? Ich und mein Cousin, der von mir sehr verehrte und geliebte Anderl, haben uns schon mehrfach an diesem immer wieder sehr gewagten Unterfangen versucht.

Manchmal sogar mit Erfolg. Aber warum soll ich hier von den wenigen, gelungenen Aktionen reden, wenn doch die viel zahlreicheren Misserfolge von viel höherem Spaßgehalt waren?

Entgegen meiner bisherigen Gewohnheit, auf diesen Seiten ausschließlich Material von amüsanter Relevanz zu präsentieren, stellt dieser Artikel hier einen durchaus ernstzunehmenden Klageruf meinerseits dar. Die hier aufgeführten Beispiele sind wirklich so passiert und keine satirischen Ausschmückungen meinerseits.

Aus nachvollziehbarer Angst vor rechtlichen Schritten verzichte ich selbstverständlich auf Namensnennung des betroffenen Betriebs. Sollte aber erwähnen, dass mir zuverlässige Quellen aus der örtlichen Hauptniederlassung des Unternehmens bestätigt haben, dass die „Drive-In“-Restaurants für die Hauptniederlassungen in etwa den selben Zweck erfüllen wie Australien für die Engländer zur Kolonialzeit.

Schon relativ kurz nach der Eröffnung des einzigen lokalen Drive-In-Wunders wurde uns klar, dass wir zugunsten des neugewonnenen Luxus auf ein paar andere Annehmlichkeiten verzichten mussten. Beispielsweise auf Freundlichkeit, Verkäufer die irgendeine uns geläufige Muttersprache sprechen und gelegentlich sogar auf wesentliche größere Bestandteile unserer Bestellung.

Kennt jemand von Ihnen die überaus geniale Fernsehserie „Fawlty Towers“ aus den Siebzigern, die noch dann und wann in den diversen dritten Programmen läuft? Ich und Anderl fühlten uns jedenfalls relativ oft an diese Sendung erinnert, seitdem wir den nicht völlig zu verleugnenden Komfort des Drive-In nutzen.

Hier nun einfach ein paar meiner Lieblings-Begebenheiten, quasi als ein buntes kleines Allerlei aus der Welt der Burger.

Die Ausgangsituation ist eigentlich immer die Gleiche. Wir fahren in Anderl’s Automobil, er steuert, ich sitze rechts und maule. Zumindest nennt er es immer „maulen“, wenn ich lediglich die Menschheit und ihn im Besonderen auf alle möglichen Umstände aufmerksam mache, die meinen Unwillen erregen. Mir ist auch nicht entgangen, dass er bei jedem „rechts ist frei“ von mir extra noch ein paar Sekunden wartet, ob nicht doch noch was kommt, bevor er losfährt. Auf diese Weise könnte er mich auf unverdächtige Weise loswerden und zu einem neuen Automobil kommen.

Aber ich schweife schon wieder ab.

Zurück zur Ausgangssituation. Anderl fährt und ich wehklage, dass mich der Hunger plagt. Ohne Umwege und ohne zu zögern fährt er auf dem schnellsten Weg zu unserem modernen Drive-In-Tempel. Bis hier ist jedes Mal alles gleich, inklusive der Beschimpfungen meinerseits, die er sich anhören muss, weil er nicht den von mir geforderten, eventuell kürzeren Weg fährt. Den er mir aber boshafter Weise verweigert, nur weil er durch Sumpf, Lava oder von Menschenhand noch nicht kartographiertes Gelände führt. Spießer.

Sind wir dann endlich nach unvorteilhaft langer Zeit am Ziel meiner Wünsche angelangt, gibt es von da an mehrere Variationsmöglichkeiten, wie der Rest unseres Hamburgerkaufs verlaufen könnte. Hier die Wesentlichen.

A.) Wer zögert, verliert

(So passiert kurz nach der Erst-Eröffnung, für uns der erste Einkauf dort)
 

Geisterhafte Stimme aus Bestellannahmelautsprecher, fortan kurz „Depp“ genannt:„Willkommen zu Drive-In. Was wollen?”
 

Anderl, fortan kurz „Anderl“ genannt: „Uhm... Einen Cheeseburger, dann...“
 

Depp: „Bitte fahren vor an erste Schalter.“

Anderl: „Nein, halt! Ich bin doch noch gar nicht fertig!“

Depp: „Bitte fahren vor an erste Schalter.“

Anderl: „Hey! Ich will noch mehr bestellen!“

Depp (Beginnt im knapp 5 Meter entfernten Fenster heftig zu winken): „Bitte fahren vor an erste Schalter. Noch mehr Leute bestelle wolle.“

Nach kurzem Fluchen sind wir dann doch schließlich vorgefahren an erste Schalter, wo die verantwortliche Person (nach wie vor zu Recht kurz „Depp“ genannt) durch einen scheinbar höherrangigen Angestellten (nachfolgend kurz „Idiot“ genannt) zur Rechenschaft gezogen wurde. Kaum zehn Minuten später hielten wir das ersehnte und bei „Idiot“ bestellte Essen dann auch schon in Händen.

Minus zwei der von uns bestellten Burger, welche die eigentliche Hauptmahlzeit unseres frugalen Mahls darstellen sollten. Die uns „Idiot“ leider vergaß, mit in die Tüte zu packen. Da wir uns schon wieder fast zuhause befanden, als wir den Irrtum des freundlichen Mitarbeiters bemerkten, ließen wir ausnahmsweise noch einmal Gnade vor Faulheit ergehen und beschlossen, uns erst beim nächsten Besuch zu beschweren.

Wenn wir damals schon gewusst hätten, wie viel Spaß wir im Lauf der nächsten paar Wochen noch mit „Depp“ und „Idiot“ haben würden, wir hätten augenblicklich kehrt gemacht und den verschissenen Laden angezündet.

B.) Burgers of Gold

Aufgeben der Bestellung verlief ohne größere Probleme. Durften dann aber an der Kasse mit ansehen, wie „Idiot“ unseren Freund „Depp“ zur Sau machte, weil der uns für zwei „Normal-Menüs“ und einen weiteren Burger etwa DM 29,- abnehmen wollte. Was lediglich zehn Mark über dem regulären Verkaufspreis lag. Nachdem hinter uns die ersten Autos zu hupen begannen, hielten wir auch schon die ersehnte Ware in unseren Händen.

Selbstverständlich, wie wir bei der Weiterfahrt bemerkten, ohne den zusätzlich bestellten Burger. Wie ein paar Tage zuvor waren wir schon wieder fast zuhause, als uns das fehlende Produkt auffiel. Abermals bittere Racheschwüre (es war auch noch ausgerechnet mein Burger) und Vorfreude auf unseren nächsten Besuch am morgigen Tag.

C.) Dumbwaiter

Anderl: „Wir würden Sie gerne darauf aufmerksam machen, dass bei unserer gestrigen Bestellung ein Burger fehlte.“

Idiot: „Ich hab euch doch gesagt, dass ihr gleich nachschauen sollt, ob alles da ist!“

(Hatte er nicht, wir beschlossen jedoch, den Fall nicht weiter aufzubauschen, da wir hungerten.)

Anderl: „Wir hätten 9 Stück dieser leckeren Hühnchenteile, dazu Curry- und Senfsauce.“

Dazu bestellte er die obligatorischen, von mir gewĂĽnschten Burger.

Idiot: „Würdet ihr bitte da vorne links kurz parken, da die Hühnchenteile noch einen Moment dauern?“

Anderl stimmte freudig zu.

Kurze Zeit (knapp 12 Minuten, meine Uhr blieb zwischendurch stehen, könnte also auch länger gewesen sein) klopft es an unsere Scheibe.

Idiot (reicht mir eine Tüte durch): „Hier eure Hühnchenteile. Die Saucen sind in der anderen Tüte.“

Lächelt und macht sich auf, den Tatort wieder zu verlassen.

Anderl: „Einen Augenblick, verehrter Mitbürger! In welcher anderen Tüte???“

Idiot: „Wollt ihr mich verarschen? Die hab’ ich euch doch vorhin schon gegeben!“

Sprach es und machte sich von dannen, zurĂĽck in seinen Kabinenverhau.

Anderl verfolgte ihn nach der ersten Schrecksekunde mit groĂźen Schritten, machte ihn auf beginnende Gewaltbereitschaft seinerseits aufmerksam.

Idiot (aus der Sicherheit seiner vermutlich kugelfesten Kabine): „Ich bin doch nicht blöd, ich habe euch doch vorhin die andere Tüte... OH! Da steht sie ja noch!“

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass wir, als wir zuhause ankamen, feststellten, dass die Saucen völlig fehlten. War aber nicht so schlimm, das Essen war eh ziemlich kalt.

Nun ja. Was soll’s. Dies waren nur drei Beispiele aus einer Latte von etwa 30 lustigen Begebenheiten, die wir seit der Eröffnung des wundersamen Drive-In’s gemeinsam erleben durften. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass wir an unserem Leid selbst schuld sind. Schließlich haben wir jederzeit die Möglichkeit, stattdessen in einen etwa 40 km entfernt gelegenen Nachbarort zu fahren. Dort hat nämlich ein konkurrierender Burgerverein nicht nur ein, sondern gar zwei Filialen. Obwohl oder gerade weil beide Zweigstellen fest in pakistanischer Hand liegen, ist das Essen dort wohlschmeckender und vollständiger.

Aber genug gelästert. Gerade hat es an der Tür geklingelt. Ich vermute, es ist Anderl.

Falls ja, muss ich ihn gleich mal überzeugen, zu unserem lokalen Drive-In zu fahren. Ich habe nämlich von all dem vielen Schreiben über Burger richtig Hunger bekommen. Und 40 km sind mir jetzt einfach entschieden zu weit.