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14.01.2000 (14:31 Uhr) – Danke, Gott!
Gott hasst mich. Und sie macht keinen Hehl daraus.
Ich habe keine Ahnung, was ich in meinen früheren Reinkarnationen alles falsch gemacht habe.
Wahrscheinlich war ich in meinen Vorleben Genghis Khan, Jack the Ripper oder Adolf Hitler. Vielleicht auch alle zusammen. Fakt ist jedenfalls, dass es irgendeine unsichtbare Macht geben muss, die es sich zur Aufgabe
machte, mein Leben so unkomfortabel wie nur möglich zu gestalten. Sicher, ab und zu streut diese unsichtbare Gewalt mal hie und da ein Zuckerle ein, um mich aus dem Konzept zu bringen und in Sicherheit zu wiegen.
Aber das ist glücklicherweise nicht die Regel. Ich würde sonst umkommen vor Glück.
Ein Beispiel eines typischen, von höherer Gewalt dominierten Tages?
Nehmen wir doch zum Beispiel den heutigen Tag. Ich bin erst vor etwa zwei Stunden aufgestanden,
da kann ja nicht besonders viel schief gehen, right?
Nun, zunächst einmal wurde ich durch penetrantes Klingeln an der Tür aus Morpheus’ Armen
gerissen. (Nein, ich bin nicht schwul. Sie sind Illiterat.)
Nach hartnäckigem Ignorieren meinerseits ging der unliebsame Klingler bereits nach einer guten
Viertelstunde wieder weg, als ihm dämmerte, dass mir an einem Öffnen meiner Pforte heute nicht gelegen war.
Erst als ich dann langsam ans Aufstehen dachte, dämmerte es mir. Dies musste der
Geldbriefträger gewesen sein! Ich hatte nämlich am Vortag an einem Gewinnspiel im Internet teilgenommen, mit dem festen Vorsatz zu siegen. Verflucht sei mein Dasein!
Leicht missmutig machte ich mich in dem Abfallhaufen neben meinem Bett auf die Suche nach meiner
Hose. Vergeblich. Dann fiel mir wieder ein, dass ich sie ja gestern in den Briefkasten eines Nachbarn gestopft hatte, weil sie anfing unangenehm zu riechen.
Kurzentschlossen durchwühlte ich meinen Kleiderschrank und entnahm eine frische Hose. Die
Enzyklopädie Kups definiert „frisch“ übrigens mit „verwesungsähnlicher Zustand, mit Hilfe von Deodorants kurzzeitig für die ungeübte Nase negiert“.
Da ich während der Suche nach einer frischen Hose jedoch auch andere Kleidungsstücke aus meinem
Schrank angefasst hatte, beschloss ich spontan, eine Dusche zu nehmen.
Für einen Moment wunderte ich mich beim Betreten des Badezimmers über das merkwürdige
Arrangement von Lappen und Eimern, die mein Mitbewohner hinterlassen haben musste. Die Erleuchtung kam mir, als ich das Wasser andrehte. Mit der Wucht eines detonierenden Säugetiers mittlerer Größe löste sich
der Duschkopf vom Metallschlauch und bescherte mir eine weitere Beule auf meinem ohnehin schon vom Leben recht lädierten Schädel.
Gnädigerweise wurde die leicht blutende Wunde von dem unmittelbar darauf einsetzenden Schwall
brühend heißen Wassers zuverlässig desinfiziert.
Leicht missmutig änderte ich meinen Vorsatz, eine Dusche zu nehmen, in das wesentlich leichtere
Tagesvorhaben „hasse alles und jeden und fahre mit dem Auto drüber“.
Verdrossen verließ ich die Dusche, da sich mein Telefon entschlossen hatte, in genau diesem
Moment zu klingeln. Hastig, nackt und fett wie Gott mich schuf tapste ich ungelenkig durch die Wohnung und suchte mein Handy. Was ich unter anderem vorher fand waren diverse Reißnägel, Bärenfallen und schleimige
Substanzen unbestimmbarer Herkunft.
Ungewöhnlicherweise fand ich dennoch mein Handy, bevor das Klingeln aufhörte. Mein Bruder, der
verschissene Makler, war dran. Wollte fragen, ob ich seine Email bekommen habe.
Warum schickt er mir so ein Ding, wenn er mich eh anruft?
Er lachte schelmisch, als ich ihm von meinem neuen Freund, der Dusche, erzählte. Ich überlegte
kurz, ob ich ihm verraten soll, dass seine Frau immer noch die Post vom selben Postboten gebracht bekommt, obwohl sie schon vor ein paar Monaten in eine andere Stadt gezogen sind. Entschied mich dagegen, um sein
Leiden zu verlängern.
Beendete dann das Gespräch mit dem Versprechen, ihm heute noch einen Besuch abzustatten. Das
wird mir gut tun. Vielleicht habe ich ja sogar noch Glück und treffe auf dem Weg dorthin ein paar meiner Nachbarn.
Mit der Stoßstange.
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