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13.02.2000 (13:55 Uhr) – Das Wort zum Sonntag

 Das verspricht ja mal wieder symptomatisch zu werden. Erst die zweite Woche, in der ich Artikel für das wundervolle Kampfratten-Magazin verfasse und schon bin ich nicht nur weit hinter dem vorgesehenen Abgabetermin, sondern nach wie vor völlig planlos, was den Inhalt meiner heutigen Rede angeht. Mal überlegen, was ging mir denn in der letzten Zeit auf die Nerven? Ah, ja! Jedermann kennt doch bestimmt mittlerweile diese überaus interessanten und lebenswichtigen Kettenbriefe, die alle nach dem selben Schema aufgebaut sind:

 â€žHallo, lieber Email-Freund! Der Grund dieses heutigen Schreibens ist ein trauriger. Es gibt da nämlich in Dummsdörfel bei Kackingen in Südfransendoofwiescheisseland einen bettelarmen kleinen Jungen, der keine Beine mehr hat. Und auch keine Arme. Eigentlich handelt es sich bei ihm nur noch um einen Rumpf, auf dem ein kleiner, leicht missgebildeter Kopf sitzt. Der auch noch mit ziemlich kurzsichtigen Augen gestraft ist und beim Schlafen auf sein Kopfkissen sabbert.

Dieser Junge heißt Jammerschorsch. Leider ist der Jammerschorsch in den letzten Tagen ein wenig kränker als sonst geworden, er bekam nämlich AIDS. Und jetzt hat er nur noch etwa fünfundneunzigeinhalb Tage zu leben. Das stimmt den Jammerschorsch doch ein wenig verdrießlich. Als Ausgleich für sein Seelenleid hat er beschlossen, als der Junge in das Guinnessfass der Rekorde einzugehen, der die meisten handsignierten Papierservietten der Welt gesammelt hat.

Schickt also diese Email hier an alle Leute, die Ihr kennt, weiter. Und jeder, der diese Mail hier dann liest, soll sich ein Herz fassen und dem Jammerschorsch eine selbstunterschriebene Papierserviette schicken. Leider hat der Jammerschorsch durch seine schlimme Krankheit vergessen, wo genau er wohnt. Werft daher die Servietten einfach in den nächsten Briefkasten, sie werden ihren Weg zum Jammerschorsch ganz von selbst finden.

Aber das ist ja noch nicht alles! Ihr habt natürlich auch noch die Möglichkeit, aus dem schlimmen Zustand von dem Jammerschorsch Kapital zu schlagen.

Weil nämlich der Herr Gates von der Firma Microsoft in Amerika auch von der Sache mit dem Jammerschorsch gehört hat. Und der Herr Gates hat sich sofort, weil er ein guter Mensch ist, bereit erklärt, an jeden, der diese Email hier an alle seine Freunde und Bekannten weiterschickt, die Summe von 2500,- US-Dollar zu bezahlen. Ihr müsst Euch dazu nicht einmal irgendwo einschreiben oder registrieren oder solche Sachen, weil der Herr Gates doch das Windows-Programm geschrieben hat. Und das erkennt natürlich automatisch, ob sich die versandte Mail um den Jammerschorsch dreht. Und sobald der Mailzähler in der Firma Microsoft dann einen bestimmten, bisher noch nicht feststehenden Zählerstand erreicht hat, wird der Herr Gates jedem, der die Mail weitergeschickt hat, das versprochene Geld persönlich auszahlen.

Also, fasst Euch ein Herz und helft dem Jammerschorsch, seinen letzten Wunsch zu erfüllen!“

Emails dieser Art werden in der Regel noch von einem meterlangen Schwanz von Email-Adressen aller bisherigen Empfänger begleitet, da jeder, der die Mails bisher weitergeleitet hat, blöder als Scheiße ist und weder vom korrekten Umgang mit einem Emailprogramm noch von Datenschutzbestimmungen auch nur den Hauch einer Ahnung hat.

Es ist vielleicht nicht nötig, es an dieser Stelle zu betonen, aber ich werde es trotzdem tun.

Briefe dieser Art sind vollkommener Humbug, der weinerliche Inhalt genauso wahrheitsgetreu und realistisch wie die unbefleckte Empfängnis oder das Ehrenwort eines Politikers. Ich werde jedem, der es wagen sollte, mich fortan noch einmal mit solchen Mails zu belästigen, einen persönlichen Besuch abstatten. Wenn ich dann mit ihm fertig bin, kann er froh sein, wenn er nur aussieht wie unser Freund Jammerschorsch. Aber wenigstens hat er dann in Zukunft einen Grund, solche Briefe zu schreiben.

Im Übrigen gilt das Selbe auch für jede Form von Ketten-Emails, in welchen vor irgendwelchen neuen, lustigen und hochbrisanten Viren gewarnt wird, die irgendwelche rotzbescheuerte Namen haben und schon beim Öffnen der Email die Welt, wie wir sie kennen, in ihre atomaren Bestandteile zerlegt.

Was keineswegs heißen soll, dass es nicht wirklich Viren gibt, die sich schon unter manchen Umständen durch das reine Lesen einer Email verbreiten können. Aber dazu hat uns der liebe Gott oder Herr Gates reichhaltig mit Virenscannern beschenkt, die solche Biester problemlos ausmerzen können.

Idioten, die solche Kettenmails weiterleiten, ermöglichen eher dadurch erst recht noch die Verbreitung solcher Viren. Gehirnamputiertes Pack froschfickender Lemminge. Oh, ich merke, wie sich schon wieder der Hass in meinem kleinen Körper breit zu machen beginnt und werde daher an dieser Stelle mit meiner heutigen Predigt schließen.

Ave Maria und den Finger in den Arsch.

Pater Steve