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Wohin sonst noch, mein Koenig?

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02/06/01
 

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31/01/01
 

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Donnerstag

Es ist Donnerstag, etwa 4:00 Uhr morgens. Ich komme gerade mal wieder sturzbetrunken aus der Kneipe und stelle fest, dass Farlion für den morgigen Tag fest mit meiner ersten Kolumne für das Kampfrattenpack rechnet. Wer bin ich, ihn da zu enttäuschen?

Das einzige Problem bei der Sache ist nur, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung habe, was ich überhaupt schreiben will oder soll. Schließlich ist der erste Artikel, den man für irgendjemand irgendwo schreibt, nicht irgendeine banale Sache, die man mal eben im Vorbeijoggen erledigt. Egal, wie viel man bisher im Leben schon geschrieben und irgendwo veröffentlicht hat. Der geneigte Leser, der einen auf solchen Seiten erstmals antrifft, wird sein hartes und gerechtes Urteil über den jeweiligen Schreibsklaven immer anhand des ersten Schreibwerks treffen, das er von ihm gelesen hat.

So gesehen befinde ich mich in einer ziemlich beschissenen Situation, die durch meinen regen Alkoholkonsum nicht unbedingt vereinfacht wird.

Aber ich wäre nicht der harte Mann, der ich bin, würde ich an dieser schier hoffnungslosen Aufgabe verzweifeln und mit flammenden Flüchen scheitern. So gilt es also, einfach die wenigen, noch vorhandenen Zähne zusammenzubeißen und irgendwie zu versuchen, aus der recht aussichtlosen Lage noch eine lesbare Kolumne zu zaubern.

Aber über was soll ich schreiben? Es gibt derzeit einfach so gut wie nichts, das (was?) mich irgendwie interessiert oder fasziniert. Ich könnte jetzt natürlich hergehen und mir den Job einfach gestalten, indem ich von meinem Abend in der Kneipe berichte und versuche, eine auf irgendeine Art und Weise relevante Sache daraus zu machen.

Ist dummerweise nicht meine Art. Obwohl ich vielleicht trotzdem erwähnen sollte, dass ich einen meiner langjährigen Lieblingsmenschen aufgrund seiner Fettleibigkeit und seiner Tätigkeit als amtierender Chefchirurg in einer unbedeutenden Stadt als „Gewichtsmediziner“ bezeichnete. Und darüber locker an die zwei Minuten lachen musste. Und das, obwohl er gerade mal knapp die Hälfte meines Lebendgewichts erreicht.

Ich bin einfach manchmal ein mieser Bastard.

Kürzlich hatte ich auch eine erschreckende Erkenntnis. Wenn ich von allen Menschen, die mich trotz allem immer noch leiden mögen, eine Mark bekäme, würde es an manchen Tagen nicht einmal für einen Kaffee reichen.

Aber so was kann mich selbstverständlich nicht davon abhalten, frühmorgens an meinem Dreckscomputer zu verrotten und meine Zeit mit der Niederschrift sinnreicher Reden zu verplempern. Kennt eigentlich jemand dieses überaus süffige Bier ohne Namen, welches nur ein lustiges „8,8“ auf seinem schwarzen Blech geschrieben stehen hat? Ich erwarb unlängst einige Paletten davon in einem nahegelegenen Kaufpalast und zehre seither reichlich davon. Ich muss aber zugeben, dass ich bei meinen ersten Experimenten damit recht überrascht war, dass die genossene Alkoholmenge nach fünf Dosen etwa zwölf „normalen“ Bier entspricht.

Hoffentlich erinnert sich keiner meiner Nachbarn mehr daran, dass ich danach in Unterhosen durch das Treppenhaus lief und alle wachgeläutet habe, damit sie mit mir das Wunder eines neuen Sonnenaufgangs erleben. Ich bin und bleibe ein hoffnungsloser Poet und Romantiker.

Warum werden Menschen wie ich immer erst dann analysiert und verstanden, wenn sie den Nobelpreis gewannen oder mit halbautomatischen Schusswaffen den größten Teil ihres Wohnblocks dezimiert haben?

Ich weiß nicht, ob sie es schon wussten, (hab ich von Rüdiger Hoffmann geklaut, klingt einfach super) aber ich war schon immer ein großer Freund des gedruckten Wortes und habe, seit ich denken kann, einen Heidenspaß am Schreiben. Sehr zum Verdruss aller Leute, die ich regelmäßig zwinge, meine unter nahendem Wahnsinn entstandenen Ergüsse zu lesen.

Jetzt gerade sitze ich immer noch vor meiner Kiste und lasse mich mit wunderschöner Musik aus längst verblassten Tagen bedröhnen. Turbolover. Major Tom. Ixi. Jethro Tull, Pavlo’s Dog. Paso Doble. Spinal Tap. Ozzy. Nena. Überhaupt alles, was die zu Recht längst begrabene Neue Deutsche Welle jemals hervorbrachte. Ich liebte den Dreck schon immer und werde ihn immer lieben. Unter Einfluss dieser Musik hatte ich meinen ersten Sex, meinen ersten Joint und meine erste polizeiliche Vernehmung. Alle Kämpfer für Recht und Ordnung, die mir hier völlig legitim Verharmlosung von Drogen vorwerfen, mögen bitte das Wort „Joint“ durch den Begriff „Basilikum-Tee“ ersetzen. Drogen sind im Bereich der Bundesrepublik Deutschland nämlich strafbar und werden mit dem Tode oder schlimmeren Sanktionen geahndet. Gehört sich auch so. Manche Drogen könnten Menschen nämlich dazu bewegen, ihr Gehirn zu benutzen. Und das wollen wir doch tunlichst vermeiden, nicht wahr? Legislative Arschficker.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal kurz betonen, dass mir persönlich Drogen völlig scheißegal sind. Ich es aber aus Prinzip hasse, dass Menschen vorgeschrieben wird, was sie nehmen dürfen und was nicht. Schließlich darf auch jeder Depp, der will, Dienst an der Waffe leisten, obwohl er damit nachweislich wesentlich größeren Schaden an sich und anderen anrichten kann. Oder seinen Führerschein machen.

Trotzdem kleiner Hinweis an dieser Stelle an eine meiner Ex-Freundinnen:

Nein, ich habe trotzdem keinen Bock, dir was zu rauchen zu besorgen.

Ich werde Dir morgen seine Nummer geben, nerv’ ihn dann bitte selbst damit.

Ich will nur meine Ruhe und meinen Seelenfrieden. Aus die Maus.

Hmmm...

Dafür, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, über was ich heute hier schreiben will, nimmt das Ganze dennoch recht gut Form an. Nicht schlecht. Bin vielleicht doch nicht so der ganz üble Rhetoriker, für den ich mich all die Jahre gehalten habe.

Vielleicht passe ich mich aber auch nur immer mehr dem Stil der heutigen Zeit an, wahre Berge von Buchstaben zu einem absolut inhaltslosen, aber nichts desto trotz gut lesbarem Konsumierquark aufzublähen.

Spielt aber eigentlich gar keine Rolle, weil ich für den Müll, den ich hier verzapfe, eh kein Geld bekomme. Solltet Ihr aus unerfindlichen Gründen nicht genug von solchem Schwachsinn haben, findet Ihr reichlich mehr davon unter http://www.kups.de .

Irgendwo hier liegt auch eine meiner Email-Adressen herum, unter der Ihr mich Tag und Nacht dafür beschimpfen dürft, dass ich geboren wurde.

Ich leite diese umgehend an meine Erzeuger oder meinen Bewährungshelfer weiter.

Aber jetzt genug für heute, Ihr seid hier schließlich nicht zu Eurer Unterhaltung hier und ich bin nicht der Papa Schlumpf, der Euch auf dem tränenreichen Ritt durchs Internet die Hand halten muss.

Deutschland, verrecke!

(Eigentlich: „Welt, verrecke!“. Gefiel mir aber vom Klangbild her nicht so gut.)

Euer König