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11.03.2000 (18:00 Uhr) – Von Menschen und Mäusen
Haben Sie sich schon einmal überlegt, ob das Leben und alles was damit zusammenhängt, nicht
einfach auf einer perversen Art von Mathematik basiert? Dieser Gedanke kam mir vor wenigen Minuten auf dem Klo, als ich die Früchte meiner gestrigen Sauftour in das ewig verdreckte Porzellanloch reiherte.
Und für einen kurzen, magischen Moment erschien es mir, als würde die rotbraune Soße die Zahl
PI bis auf die siebzehnte Stelle hinter dem Komma darstellen, bevor ich sie erfolgreich hinunterspülen konnte. Dieses epochale Erlebnis erinnerte mich an verschiedene andere Begebenheiten und Tatsachen, die mir im
Laufe meines langen Lebens auffielen und von mir unter der Rubrik „Mysteriös und trotzdem belanglos“ abgelegt wurden. Heute endlich finde ich die Kraft, über diese eigenartigen Dinge offen und frei zu Ihnen zu
sprechen.
Mysterium Nr. 1: Die alte Lieblingshose
Kennen Sie das nicht auch? Sie durchsuchen verzweifelt Ihren Kleiderschrank, weil die Klamotten,
die sie tragen, schon vor mehreren Tagen ziemlich übel zu stinken begannen?
Und tatsächlich, da hängt sie! Ihre ehemalige Lieblingshose von vor zwei Jahren. Freudig erregt
nehmen Sie das Teil heraus, schlüpfen geschmeidig hinein und – genau. Sie passt nicht.
Skeptiker unterstellen für gewöhnlich, das läge am Arsch, der wieder ein wenig dicker
geworden ist. Ich allein hingegen weiß um die kosmische Verschwörung, die damit zusammenhängt. In Wirklichkeit kommen nämlich des Nächtens kleine, schwule Zwerge (ich glaube, sie sind gelb) und tauschen nach
einem von mir noch nicht durchschaubaren System scheinbar wahllos perfekt passende Kleidungsstücke gegen etwas kleinere Duplikate aus einem bösen Paralleluniversum aus.
Mysterium Nr. 2: Kleiderbügel
Kleiderbügel sind eine sonderbare Erfindung. Zu sperrig, um damit eine Suppe umzurühren, zu
kantig, um als Sexspielzeug zu taugen. Bizarrerweise eignen sie sich aber prächtig, um sie alle in eine große Kiste im Schlafzimmer zu werfen. Dort liegen sie dann meist ungeliebt und wenig beachtet. Bis man dann
mal in die Verlegenheit kommt, ein beliebiges Kleidungsstück aufhängen zu wollen. Man nimmt den obersten Bügel aus der Schachtel und voilá: Wie durch Magie zieht man mit dem Bügel sämtliche anderen seiner
Brüder gemeinsam aus der Schachtel. Und wieder waren es vermutlich die gelben, schwulen Zwerge (ich glaube, sie sind klein) aus dem bösen Paralleluniversum, die sich einen ihrer heiteren Späße erlaubten.
Augenzeugen zufolge sollen ähnliche Phänomene auch schon bei Büroklammern beobachtet worden sein.
Mysterium Nr. 3: Buchstabensuppe
Wer auch immer der Vollidiot war, der auf die Idee kam, Suppennudeln in Form von Buchstaben
herzustellen, gehört meines Erachtens hingerichtet. Menschen wie ich sehen sich beim geplanten Verzehr einer solchen Mahlzeit immer wieder mit ihrer schriftstellerischen Natur konfrontiert. Sie versuchen dann
sogleich, den wirr umherschwimmenden Buchstaben eine gewisse Ordnung und Reihenfolge aufzuzwingen. Selbstverständlich bringt das alles überhaupt nichts, weil die kleinen Mistdinger eh machen, was sie wollen. Bis
man das dann endlich mal eingesehen hat, ist die Suppe auch schon kalt und man muss hungrig zu Bett gehen. Schuld daran sind vermutlich die kleinen, gelben Zwerge (ich glaube, sie sind schwul) aus dem bösen
Paralleluniversum. Verflucht seien sie.
Mysterium Nr. 4: Waschmaschinen
Ernähren sich von Socken, essen aber aus religiösen Gründen immer nur jeweils eine pro Paar
und Waschgang. Eine der geheimnisvollsten Eigenschaften einer Waschmaschine ist das scheinbare Verkleinern von Kleidungsstücken. Mutmaßlich handelt es sich hierbei aber um ein gleichartiges oder zumindest
ähnliches Phänomen wie bei der Lieblingshose. Legenden zufolge handelt es sich bei der Waschtrommel um einen geschickt getarnten Zugang zum bösen Paralleluniversum. Dort leben die kleinen, schwulen Gelben (ich
glaube, sie sind Zwerge) und führen seit Jahrtausenden einen unerbittlichen Kampf gegen Kalk und Lochfraß.
Mysterium Nr. 5: Steve Kups
Eines der größten Geheimnisse der heutigen Zeit ist die sagenumwobene Person des Steve Kups.
Woher hat er seinen Königstitel, seinen unermesslichen Reichtum und das gute Aussehen? Wer gab ihm diesen stahlharten Penis, der ihm unter seinen weiblichen Bewunderern den Ehrennamen „Eisenkolben-Kups“
einbrachte?
Ist er wirklich ein Unsterblicher, wie man es sich manchmal in den Kneipen hinter vorgehaltenem
Bier zuflüstert? Hat er wirklich schon das Pferd von Genghis Khan gevögelt und Adolf Hitler in den Salat geschissen? Ist er daran schuld, dass die Nachwelt bis heute nicht weiß, dass sich auf der Unterseite der
Pyramiden von Gizeh eine eigenartige Inschrift befindet, die übersetzt etwa „Diese Seite nach oben“ lautet?
Stimmen die Gerüchte, dass die Sphinx ihre Nase durch seine Schuld verlor? Weil er im Vollsuff
vor etlichen tausend Jahren seinen dicken Pimmel hineinstecken wollte, da er dachte, es sei ein begehrenswert Weib? Falsch ist übrigens die weitverbreitete Überlieferung, er hätte etwas mit dem Untergang von
Atlantis zu tun.
Die Verantwortung dafür trägt einzig und allein sein Namensvetter Steve Urkel.
Fachleute vergleichen Steve Kups gerne mit dem Dodo, wenn sie konstatieren: „Er ist zu groß,
zu fett und zu faul, um zu fliegen und wird deshalb hoffentlich auch bald aussterben. Außerdem riecht er übel und hat letzte Woche mit meiner Frau gefickt.“
Fest steht lediglich, dass er die magische Begabung hat, wahre Berge von virtuellem und echtem
Papier mit sinnlosem Schwadronieren über belanglosen Scheißdreck zu füllen, ohne dabei zwischendurch aufs Klo zu müssen. Vielleicht stammt auch er aus dem bösen Zwergenuniversum, wo all die kleinen, gelben
Schwulen herkommen (ich glaube, sie sind parallel)? Beten wir zu Gott, König Fußball oder vergleichbaren Entitäten, dass wir die ganze Wahrheit niemals erfahren werden.
Und an dieser Stelle muss ich für heute auch schon wieder aufhören, da mich gleich mein
geliebter Freund Rainer mit seiner Frau Rajah zu einem Festmahl abholen wird. Es findet zu meinen Ehren statt, ich werde dazu eingeladen und wir werden in Rainers Automobil an den Ort des Geschehens fahren. Dies
bedeutet, ich kann mich wieder sinnlos betrinken und ihm später auf den Rücksitz kotzen. Verflucht sei an dieser Stelle übrigens mein sonst auch sehr geliebter Cousin, das Anderl. Weil das alte Lügenmaul mir
vorhin am Telefon versprach, er würde sich hier gegen 18:00 Uhr einfinden, um sich seine tägliche Maulschelle bei Tiberian Sun abzuholen. Und natürlich aus Angst fernblieb. Wodurch einzig und allein er die Schuld
an dieser, meiner heutigen Kolumne trägt. Daher auch der Titel.
Und jetzt geht ficken.
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