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24.01.2000 (23:21 Uhr) – Mein Auto
Jeder der mich kennt weiß, wie sehr ich mein Auto und die Menschen, die es mir verkauft haben,
hasse.
Mit Ausnahme der Tochter des Autohauses, die ich ganz in Ordnung finde. Sie lässt mich nämlich
gelegentlich mit ihrem eigenen Auto herumfahren, wenn das meinige mal wieder beim Autodoktor steht. Was es nicht unbedingt selten tut. Es ist nun nicht gerade so, dass ich eine dieser hochneurotischen
Luxuslimousinen fahre, die schon in die Werkstatt müssen, weil man leichtsinnigerweise mal rechts abgebogen ist oder das Schiebedach öffnen wollte.
Nein, ich fahre einen schnuckeligen Kleinwagen eines französischen Herstellers, dessen Namen ich
an dieser Stelle aus tiefer Furcht vor Schadenersatzklagen nicht zu nennen wage. Da aber die Schadenersatzzahlungen nach meinem Rechtsempfinden für dieses Drecksteil von Auto eigentlich mir zustünden, hier ein
kleiner Tipp: Der Name klingt so ähnlich wie eine gelbe Südfrucht.
Und wenn jetzt einer „Banane?“ fragt, möge er sich bitte freiwillig aus diesem Leben
entfernen. Erspart uns allen viel Kummer und Leid.
Aber bleiben wir beim Thema. Seit mir meine herzensgute und liebe Mutter diesen Wagen vor knapp
acht Jahren als Neuwagen geschenkt hat, werde ich das Gefühl nicht los, dass sie sich damit auf irgendeine Art und Weise an mir rächen wollte. Für meine Geburt, meine Existenz oder die Sache von damals, als ich
diesen widerlichen Lehrer die Treppe runtergeworfen habe.
Egal.
Damit, dass eigentlich seit Day One unwichtige Kleinigkeiten wie ABS nie funktionierten, konnte
ich ganz gut leben. Auch an dieses lustige, ständig aufleuchtende Lämpchen mit dem witzigen Symbol darauf konnte ich mich gewöhnen. Anfangs war ich natürlich noch beunruhigt, warum dieses Lämpchen wohl meine
Aufmerksamkeit zu erringen suchte.
Ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung meines Autos („Achtung! Sollte dieses Lämpchen
jemals aufleuchten, suchen Sie unverzüglich Ihren Fahrzeugfachhändler auf!“ und zögerliches Nachfragen bei meinem Fachhändler („Ach, machen Sie sich keine Sorgen. Das bedeutet gar nichts. Heißt nur soviel wie dass das Auto mal zum Kundendienst sollte.“) konnten mich dann aber recht schnell davon überzeugen, dass keine unmittelbare Gefahr drohte.
Das Lämpchen brannte dann auch noch etwa sieben Jahre lang nonstop und wurde mir ein lieber
Begleiter auf allen Wegen, den ich niemals missen wollte. Bis zu jenem schicksalhaften Tag gegen Ende letzten Jahres. Ich hatte mich schon lange daran gewöhnt, dass sich mein Auto ab und zu weigerte, anzuspringen.
Besonders im Winter, im Sommer, bei Tag und bei Nacht. Bevorzugt aber auf einsamen Landstrassen, nachdem ich nur mal kurz zum Begucken der Natur angehalten hatte.
So richtig schlimm war das ja alles nicht, weil ich dadurch dann immer wieder für ein paar Tage
einen Neuwagen Probe fahren durfte, bis meine Dreckskarre wieder repariert war. Lustig waren nur immer die Ergebnisse, wenn ich das Ding gerade mal wieder wegen einem der unzähligen interessanten Defekte aus der
Werkstatt geholt hatte. Einmal ging mir dummerweise die elektrische Fensterhebevorrichtung auf der Fahrerseite kaputt.
Wahrscheinlich, weil ich sie leichtsinnigerweise benutzen wollte. Kein Problem, wurde für einen
Spottpreis vom Fachmann gerichtet. Blöderweise muss beim Einbau der neuen Vorrichtung das Auto auf dem Kopf gestanden haben, da ich seither mit dem Knopf an der Fahrerseite das Fenster des Beifahrers öffnen und
schließen kann. Und umgekehrt natürlich.
Eine Weile später entschied sich die Zentralverriegelung, die Kooperation mit mir
aufzukündigen. Nach der anschließenden obligatorischen Reparatur konnte ich wahlweise eine oder keine Tür abschließen. Ich entschied mich nach einer Weile für „keine“, in der Hoffnung, irgendein Blödmann
würde mir die Karre klauen. Leider sind Diebe heutzutage alles andere als blöd und zudem noch sehr wählerisch.
Zum Glück ging das Auto kurz darauf mal wieder richtig kaputt und wollte überhaupt nicht mehr
anspringen, auch nicht in der Werkstatt meines geliebten Fachhändlers. Er nutzte diesen ungewöhnlichen Umstand um mir mit hoheitsvoller Stimme mitzuteilen, dass wohl die Elektronik, die diesen hochempfindlichen
Organismus steuerte, einen Treffer abbekommen haben musste. Zu diesem höchst überraschenden Schluss kam ich auch schon vor geraumer Zeit. Sowohl bei ihm als auch dem Auto.
Ein paar Tage nach der darauf folgenden Reparatur stand ich dann auch schon wieder auf der Matte.
Wegen des selben Fehlers, selbstverständlich.
Diesmal wurde dann nicht nur der böse, fehlerhafte Chip ausgetauscht, sondern die komplette
Verkabelung des Wagens. Seitdem hat mein Freund, das Lämpchen, aufgehört zu leuchten.
Und das Auto springt eigentlich so gut wie immer an. Unpraktischerweise wurde meine Freude daran
durch ein paar neue Kleinigkeiten getrübt. Wie zum Beispiel, dass wohl einige der neuen Kabel nicht so ganz richtig angeschlossen sein können. Die Heizung kann man seitdem wahlweise auf Stufe 1 oder Stufe 4
stellen. Stufe 1 steht für „lauer Furz, den man nur mit Hilfe von hochkomplizierten Geräten wahrnehmen oder nachweisen kann, wahlweise kalt oder eiskalt“. Stufe 4 steht für „Töte alles innerhalb der
Fahrkabine mit Hochdruckluftstößen aus den tiefsten Schlünden der Hölle“.
Ein weiteres spaßiges Kabel steuert wahrscheinlich das Verhalten des Heckscheibenwischers. Der
ist nämlich seit ein paar Tagen auf Dauerbetrieb, egal ob man ihn an- oder ausschaltet. Manchmal wird er aber auch müde und geht dann von selbst wieder aus. Und bleibt es dann auch, egal ob man ihn braucht oder
nicht. Die Zentralverriegelung funktioniert natürlich bis heute auch nicht richtig. Aber zumindest kann man jetzt jede Tür einzeln abschließen und die bereits verschlossenen Türen bleiben dabei auch zu.
Ist aber alles irgendwie gar nicht so schlimm für mich. Als ich heute morgen nämlich auf dem
Weg ins Büro meiner Eltern war, um ein Frühstück zu schnorren, gab es an der letzten Ampel vor meinem Ziel einen irgendwie amüsiert klingenden, dumpfen Knall in meiner Motorhaube. Gelangweilt stieg ich aus,
beobachtete, wie eine ziemlich beeindruckende Menge von Rauch aus jeder nur denkbaren Ritze des Wagens hervortrat und schob mein Kraftfahrzeug fröhlich pfeifend über die vielbefahrene Kreuzung bis vor das
elterliche Büro. Von dort aus verständigten wir dann unseren Fachhändler, der auch schon nach kurzer Zeit, kann nicht länger als eine Stunde gedauert haben, am Tatort eintraf.
Ich war nicht weiter verwundert, als das Auto dann bei dem Startversuch durch den Fachmann sofort
ansprang, ohne auch nur einen Hauch von Rauch abzusondern. Freundlicherweise erklärte sich der Meister dennoch bereit, es in seine Werkstatt mitzunehmen und ein oder zwei Augen darauf zu werfen. Voller Vorfreude
fuhr ich im Abschleppwagen seines Mitarbeiters mit, während der Chef persönlich meinen Wagen steuerte. Und es hatte sich gelohnt.
Schon nach wenigen Metern machte sich ein befriedigtes Grinsen auf meinen feisten Backen breit.
Kennen Sie diese alten Western, in denen eine riesige Herde von Büffeln über die Prärie tost? Dabei Unmengen von Dreck und Staub hoch schleudert, so dass man außer einer riesigen, dichten Wolke eigentlich nichts
mehr sehen kann? So ähnlich erging es uns im Abschleppwagen, als wir hinter dem Chef mit meinem Auto herfuhren und dieses demonstrierte, was aus einem Auspuff alles an Qualm und Rauch rauskommen kann.
Ein kurzes Stück weiter kam dann auch das zu Erwartende, Chef und Auto blieben inmitten einer
großen Kreuzung stehen. Aber zum Glück hatten wir ja den Abschleppwagen dabei.
Und jetzt fahre ich erst mal wieder für eine Weile mit einem Leihauto. Bei der Übergabe
desselbigen erstickte ich übrigens noch fast an einem Lachanfall, weil zur selben Zeit ein Kunde hereinkam und meinte, bei seinem Auto leuchte seit einiger Zeit so ein komisches Lämpchen...
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