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31.12.1999 (19:22 Uhr) – Silvester
Ich werde zwar nie verstehen, warum man den geheiligten Tag des Jahreswechsels nach einem
amerikanischen Filmschauspieler benannt hat, aber was soll’s. Auf jeden Fall ist es in ein paar Stunden soweit. Zumindest für uns Westeuropäer. Laut den diversen Newstickern, die ich mir noch vor dem Frühstück
gegen 18:00 Uhr gegeben habe, haben es die Australier schon hinter sich. Ebenso Frau Sarah Knauss, die es im seligen Alter von 119 Jahren dahinraffte. Laut der Pressemeldung war sie nicht krank, demzufolge ist
wahrscheinlich der Y2K-Bug für ihr Ableben verantwortlich.
In Russland wurde Sylvester für dieses Jahr abgesagt, stattdessen feiert man den Rücktritt von
Boris Jelzin. Mit der gleichzeitigen Machtübernahme durch den Genossen Wladimir Putin hat jetzt wieder mal der KGB die Zügel in der Hand, was uns wohl noch die ein oder andere amüsante Überraschung bescheren
könnte.
In Neuseeland feiern die Leute das Millenniums-Baby und die Tatsache, dass sie endlich mal was
zustande gebracht haben, durch das sie vom Rest der Menschheit bemerkt werden.
Ich persönlich hasse das Wort Millennium mehr als die katholische Kirche.
Und Babys kann ich sowieso nicht leiden. Daher räche ich mich an der Menschheit und Neuseeland
im Besonderen durch die Einrichtung einer weiteren Rubrik auf dieser Homepage, in welcher ich unter anderem erstmals eine Mini-Story über das MB veröffentliche, die ich vor einiger Zeit in einem Anfall geistiger
Umnachtung geschrieben und dann völlig zu Recht wieder vergessen habe.
Ursprünglich hatte ich heute übrigens vor, den ganzen Neujahrs-Rummel einfach zu ignorieren und
mit einem guten Buch oder der Frau von vorgestern früh zu Bett zu gehen.
Dummerweise habe ich aber vor ein paar Wochen das Rauchen aufgegeben. Was zur Folge hat, dass ich
es einfach nicht aushalte, heute zuhause zu bleiben, ohne nicht wenigstens ein paar Menschen das Leben ein wenig vermiest zu haben. Wenn ich leide, sollen das alle tun.
Nebenbei fiel mir heute zum ersten Mal auf, wie viele Menschen ich eigentlich mittlerweile kenne.
Seit knapp 2 Stunden steht mein dämliches Telefon nicht mehr still, da plötzlich die gesamte Welt beschlossen hat, mich anzurufen. Manche glauben, ich könne sie leiden und laden mich zu irgendwelchen Saufgelagen
ein, was ich natürlich ablehne. Andere lassen sich lieber aus Langeweile von mir beschimpfen, anstatt mit ihrem Leben irgendwas Sinnvolles anzufangen oder um 00:00 Uhr mit einer großkalibrigen Schusswaffe Amok zu
laufen.
Von den zahllosen Verwandten, richtigen Freunden und Leuten, die ich irgendwann mal mit dem Auto
angefahren habe, ganz zu schweigen.
Und dann wäre da noch Dagmar. Beziehungsweise die Freunde von Dagmar. Ich habe zwar nicht den
leisesten Schimmer, wer Dagmar überhaupt ist, aber sie scheint wohl aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen die selbe Telefonnummer zu haben, wie ich. Was inzwischen dazu führte, dass ich an meiner Hauptnummer
einen Anrufbeantworter hängen habe, der die Dagmar-Anrufer ausfiltert und verhöhnt. Ich nutze hiermit die Gelegenheit, sowohl Dagmar, ihren Freunden und ganz besonders der deutschen Telekom meine besten
Neujahrswünsche zu übermitteln. Meinen Preselektions-Antrag für eine andere Telefongesellschaft habe ich bereits ausgefüllt, werde ihn aber erst abschicken, wenn ich im Januar die Dezember-Telefonrechnung für
das Jahr 1900 bekomme.
Aber genug für heute. Ich werde Euch alle frühestens morgen Abend davon in Kenntnis setzen, ob
die Welt noch existiert oder genau um 00:01 Uhr alles in einer Raumzeitfalte verschwand. Ansonsten... Happy new year, Ihr Penner.
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