Mittwoch, der 11.04.2001 (19:54 Uhr) - Comics
Hallo, Rasselbande!
Ja, ich weiß. Diesmal habe ich mir mit dem neuen Update mal wieder besonders lange Zeit gelassen. Der Grund dafür
ist einfach: Reichtum, Macht und Sex. Während ich keines dieser drei Dinge jemals im Übermaß hatte, oder zumindest nicht gerade dann, wenn es mir in den Kram passte, bin ich natürlich für derlei Sachen recht
empfänglich.
Und da mir von Euch Gratislesern hier natürlich keine Sau auch nur ein halbes Wurstsemmelchen zukommen lässt,
geschweige denn einen beträchtlichen Geldbetrag überweist oder mir das lange verdiente Schloss aus purem Gold erbaut, komme ich hin und wieder nicht drum herum, mir anderweitig meine Gelüste nach oben erwähnten
Dingen zu befriedigen.
Als Konsequenz gibt's während dieser Phasen naturgemäß weniger von mir zu lesen. Zumindest hier. Das heißt
natürlich nicht, dass ich Euch alle weniger liebe. Ich mag Euch nur nicht so gerne wie Sex, Geld und Essen. Das ist alles.
Praktischer Weise ergab es sich nun vor einigen Wochen, dass mich Tony Verdini, der Chefredakteur des Panini Verlags,
mit jemandem verwechselt haben muss, der irgend etwas kann. Denn plötzlich hatte ich einen neuen Job als Übersetzer und Redakteur für die neuen Superhelden-Comics, die ab Mai unter dem neuen Panini-Label "DC
Deutschland" erscheinen werden.
Gemeinsam mit Christian Heiß, den ich in einem dubiosen Lack- und Leder-Club (oder war's auf einer Comicmesse?)
kennen gelernt habe und der über unser neues Dasein nicht minder erstaunt ist, als ich, übe ich nun also einen absoluten Traumjob aus, der mich bei meinen lange gehegten Plänen zur Eroberung der Welt und aller
benachbarten Daseinsebenen ein gehöriges Stück nach vorne katapultierte.
An alle, die mich als Kind dafür verarscht haben, dass ich lieber Comics lese, anstatt draußen in der freien Natur
meinen kleinen Bruder zu ersäufen oder in offene Cabriolets zu koten: Nananana-naaah-nah! Ätschiebätsch!
Hust. Soviel zur gerechtfertigten und von Herzen kommenden Verhöhnung all meiner damaligen Freunde, die nun allesamt
zwei bis vier Kinder am Arsch haben, jeden verdammten Tag zwölf oder mehr grauenvolle Stunden bei Mc Donald's oder vergleichbaren Institutionen an der Kasse stehen und sich wohl mit großer Wahrscheinlichkeit im
Lauf der nächsten fünf bis zehn Jahre ins Grillfeuer werfen werden, um ihrem erquicklichen Dasein ein qualvolles, aber gerechtes Ende zu setzen.
Naturgemäß ist es aber nun durch meinen neuen Haupt-Zeitvertreib auch so, dass ich nicht nur weniger Zeit für die
Pflege dieser wunderschönen Seiten hier habe. Auch meine Wohnung sieht inzwischen stellenweise so aus, als hätte ich in jedem ohnehin schon tendenziell unordentlichen Zimmer noch zwei bis drei mittelschwere
Quickenings gehabt. Für alle Nicht-Highlander-Fans lässt sich dieser Effekt in etwa so umschreiben, als wären pro Raum etwa zwölf mittelgroße Schweine inmitten von "Industrial Light and
Magic"-Effekten detoniert.
Aber das ist ja alles nicht so schlimm, denn in zwei Wochen ziehe ich ja um. Alle, die mich länger kennen, werden
jetzt laut lachen. Aber ich werde an dieser Stelle kein Wort über lahmarschige, nichtsnutzige Handwerker verlieren, oder was ich mit einigen davon anstellen werde, um den Rest abzuschrecken und zu motivieren. Nur
soviel sei gesagt: Es ist nicht auszuschließen, dass lange, sehr dicke, zugespitzte Pfähle, Gleitcreme und ein Regenschirm bei meinem Motivationstraining eine wesentliche Rolle spielen könnten.
Naturgemäß brachte der neue Job auch so manches Missverständnis mit sich. Als ich beispielsweise von meinem Boss
die Nachricht erhielt "Du machst Batman!", verbrachte ich einige Tage frierend im scheißkalten, hautengen und selbstgeschneiderten Dress auf unserem Dach und spähte mit einem Fernglas in Fledermausform
auf die Straßen der Stadt hinab, in der Hoffnung, ein bekämpfenswertes Verbrechen zu erblicken.
Ein Irrtum, der sich recht schnell wieder aufklärte, als mich mein Boss ein paar Tage später lachend von der
Polizeiwache abholte, wo man mich präventiv in Beugehaft genommen hatte, nachdem ich als Namen bei der Vernehmung immer nur ein zwischen den Zähnen hervorgepresstes "Ich bin Batman" von mir gab. Die
Nachbarn, die mich bei meinen nächtlichen Patrouillen auf dem Dach entdeckten und bei den Behörden denunzierten, sollten in den kommenden Tagen besser nicht ohne Gummihandschuhe und Schlauch ihre Briefkästen
öffnen. Ich bin die Nacht, Ihr Party-Pooper!
Und so werde ich trotz aller Widrigkeiten auch weiterhin über den Schlaf der Bürger wachen und das Verbrechen von
den Straßen Ansbachs fern halten. Als Gegenzug erwarte ich von Euch, dass Ihr hin und wieder mal ein paar von unseren Comics kauft, damit ich meine sündhaft teure neue Eigentumswohnung abbezahlen kann und in
meinen Wasserhähnen immer genügend Champagner fließt, um meine zahlreichen Gespielinnen bei Laune zu halten.
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