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21.04.2000 (05:18 Uhr) – Volltreffer, versenkt
Wochenlang konnte ich schweigen, da mich irgendwie so gut wie nichts von dem, was in der Welt
passierte, besonders irritieren oder nerven konnte.
Tja. Schön war’s. But all good things have to come to an end, right?
Haben doch jetzt Beamte der glorreichen amerikanischen Strafverfolgungsbehörden einen
15-jährigen Missetäter dingfest gemacht, der allem Anschein nach verantwortlich sein soll für die zahlreich stattgefundenen Distributed-Denial-of-Service-Attacken, welche so manche große Internetcompany schon an
den Rand des Wahnsinns trieb.
Passenderweise trägt der junge Einstein auch noch das Pseudonym Mafiaboy und stammt aus Kanada,
das, wie wir alle wissen, nicht einmal ein richtiges Land ist. Und dieser Junge ist jetzt einfach mal pauschal schuld an allem, weil er ja in Chatrooms damit geprahlt hat, es gewesen zu sein.
Klingt ja auch ziemlich einleuchtend, haben wir doch schon überall in den Medien von den
Wunderkindern des 21. Jahrhunderts (gähn) gelesen, welche durch bloße Gedankenkraft mittels eines Gameboys und einer Rolle Bindfaden Atomreaktoren zur spontanen nuklearen Kettenreaktion anregen, sich noch vor dem
Zähneputzen in unsere Schweizer Bankkonten hacken und mit Manipulationen an unserer Sozialversicherungsnummer für ein Revival von ABBA sorgen. Unwahrscheinlich hingegen, dass sich irgendwelche
Dummwiescheisse-Kiddies einfach mal mit irgend welchen Sachen brüsten, die sie gar nicht gemacht haben.
Kinder sind schließlich nichts weiter als kleine Erwachsene, und als Erwachsener weiß man doch,
dass man sich nicht selbst belastet, wenn man etwas angestellt hat.
Außerdem war gestern ja auch noch des Führers Geburtstag, was sowieso darauf hindeutet, dass
mal wieder irgendwas Seltsames auf der Welt passieren muss. Und passieren wird natürlich auch was. Dummerweise kommen die heldenhaften Schillergestalten des FBI, die jetzt den Ruhm für die Verhaftung des größten
15-jährigen Verbrechers aller Zeiten einheimsen, nicht auf den selben Gedanken.
Wie unwahrscheinlich ist es, dass sich irgendwelche Kleinstgenies mit einem Linux-Rechner und
einer Portion Anarchismus nun nicht erst recht in die Seile werfen werden, um sich durch ein paar erneute, diesmal besser ausgeführte Server-Attacken mit dem wahrscheinlich zu Unrecht alleine verfolgten
Mini-Mafiosi zu solidarisieren?
Die meisten Knallschoten dieser Erde leben leider immer noch in dem irrigen Glauben, dass es
einfacher ist, irgendwelche Sündenböcke zu verhaften und diese stolz der Öffentlichkeit zu präsentieren, anstatt dort anzusetzen, wo die Scheiße in den Ventilator flog. Nämlich einfach die
Sicherheitsmassnahmen grundsätzlich so zu verstärken, dass solche Sachen in Zukunft weiteren Angreifern einfach unmöglich gemacht oder zumindest weiter erschwert werden.
Natürlich, so etwas geht nicht von heute auf morgen und erfordert ein wenig mehr Hirn und
Planungsvermögen, als die meisten der kurzsichtigen Internet-Krähen von heute in der Lage sind, einzubringen. So etwas kostet Geld, Zeit und erfordert vor allen Dingen Zusammenarbeit auf globaler Ebene. Und für
solche Dinge ist dieser Kackhaufen von Planet nach wie vor scheinbar nicht bereit, nicht einmal, wenn es langfristig um wichtige Aspekte seiner Existenz geht. Aber Atlantis ging ja auch nicht an einem Tag unter,
oder?
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